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Marokko / Reisen

Unser Roadtrip in die Sahara – von Marrakesch in die Wüste

Wir sitzen vor unserem Beduinenzelt – über uns der weite Sternenhimmel der heute noch so viel strahlender erscheint als sonst. Es ist ruhig, nur der Wind bläst leise sein Abendlied. Die Wüste wirkt tagsüber so weit, als würden die Dünen niemals aufhören und sich immer mehr Sandkörner auf Sandkörnern stapeln. Jetzt sieht man nur noch die entfernte Silhouette der nächsten Sandhügel, die sich im Mondlicht abzeichnen. Die Luft ist noch erwärmt von der Sonne des Tages.

Was zuvor schwer fiel, ist jetzt ganz leicht. Ankommen. Hier, mit Dir. Ganz im Moment sein. Unsere Flaschen klirren. Auf uns, auf das neue Jahr, auf das Vertrauen in das Leben. Ach wie bittersüß das schmeckt.

Von Marrakesch aus starteten wir im Januar unseren Roadtrip, knapp 600 Kilometer Weg, mit dem Ziel: Sahara. Die riesigen Sanddünen in der Nähe von Merzouga sind die weite Strecke definitiv wert, man sollte den Weg aber nicht unterschätzen. Es ist gut etwas Zeit für die Strecke einzuplanen. Das macht aber sowieso Sinn, da die Natur auf dem Weg wirklich sehenswert und abwechslungsreich ist. Wir haben uns gegen eine organisierte Tour entschieden und uns lieber selbst mit dem Auto ins Abenteuer begeben.

Unsere Reiseroute: Von Marrakesch nach Merzouga

Da die Strecke fast 600 km weit ist, macht es Sinn unterwegs mehrere Stopps einzubauen. Wir sind von Marrakesch losgefahren und haben zuerst für eine Nacht in Tisseldeï in der Nähe von Ouarzazate übernachtet. Es folgten zwei Nächte bei Boumalne Dades und schließlich 3 Tage in der Wüstenstadt Merzouga. Je nachdem, wo es danach hingeht, solltest du natürlich ausreichend Zeit für den Rückweg einplanen.

Roadtrip von Marrakesch nach Merzouga
Unsere Reiseroute nach Merzouga in der Sahara

Von Marrakesch hinaus in den Hohen Atlas

Mit Kaffee gerüstet und Frühstück im Bauch machen wir uns auf den Weg zu unserem ersten Übernachtungsort in Tisseldeï. Zuvor hatte ich meinen Freund immer etwas belächelt, aber heute sollte ich tatsächlich davon überzeugt werden, dass es in Marokko ganz schön kalt werden und sogar schneien kann. Mit jedem Kilometer den wir auf der kurvigen Passstraße des Atlas zurücklegen, fallen die Temperaturen und die Gipfel sind plötzlich in weißen Schnee gehüllt. Das Autothermometer schwankt zwischen frostigen 0 bis 5 Grad. Positiv überrascht bin ich davon, dass die Straße mit einigen Ausnahmen doch in einem recht guten Zustand ist. Ich lehne mich zurück und genieße entspannt die spektakulären Ausblicke, die sich auf unserem Weg in die Höhe eröffnen.

Ausblick Atlas-Gebirge
Ausblick auf dem Weg von Marrakesch nach Merzouga

Ich hatte bereits im Vorfeld einen Ort für unsere Mittagspause recherchiert und bin erleichtert, dass das Restaurant kurz nach dem Gipfel des Berges tatsächlich geöffnet hat. Macht hier auf jeden Fall einen Stopp, denn auch wenn es nicht danach aussieht, hat das Café-restaurant Assanfou die besten Pizzen, die ich bisher in Marokko essen durfte 😀

Tisseldai Ausblick vom Maison d'hotes Irocha

Übernachten in Tisseldai

Nach unserem Stopp ist es gar nicht mehr weit, bis wir unsere Unterkunft im kleinen Tisseldai erreichen. Spannender als der Ort selbst ist die Auffahrt zum Hotel und ich bin sehr erleichtert als wir tatsächlich mit unserem Wagen heil ankommen. Dies wird aber sogleich mit einem warmen Empfang, inklusive marokkanischem Tee & Gebäck entschädigt. Auch sonst fühle ich mich im Maison d’Hôtes Irocha augenblicklich wohl. Die Unterkunft überzeugt mit schönem Dekor, Gemütlich-keit durch den flackernden Kamin im Aufenthaltsraum, einen weiten Blick über die Landschaft und dem tollen Pool. Okay für letzteren war es uns dann doch zu kalt, aber im Sommer ist der sicher ein Grund mehr, hier zu übernachten.

Besuch der berühmten Lehmsiedlung Ait-Ben-Haddou aus Game of Thrones

Der eigentliche Grund weshalb wir in Tisseldai einen Stopp einlegen ist aber nicht unsere Pension sondern die ungewöhnliche Landschaft und spektakulären Lehmsiedlungen darin. Bereits während unserer Fahrt komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Tatsächlich habe ich solche roten-braunen Gesteinswelten noch nie gesehen. Eine Mischung aus dem Grand Canyon und meiner Vorstellung davon, wie es auf dem Mars aussehen muss. Kein Wunder das diese Landschaft die Kulisse verschiedener Filme bildet.  Eine der bekanntesten Drehorte ist die Lehmsiedlung Ait-Ben-Haddou. Die Lehm-Kasbah ist eine der am besten erhaltenen in Marokko und steht auf der Liste der UNESO-Weltkulturerbe.

Wir wandeln ziemlich ehrfürchtig durch die 400 Jahre alten Gemäuer und bestaunen die Drehorte von Gladiator, Game of Thrones und anderen Filmen. Am besten gefällt mir jedoch der Ausblick von der Dachterrasse eines Cafés über die Stadt. Ihr solltet unbedingt auch einen Blick auf die Stadt von Höhe des Flusses werfen und für den Stopp ungefähr 1-2 Stunden einplanen.

Von Tisseldai in die Schlucht von Boumalne Dades

Eines der überraschendsten Highlights während unseres Trips ist für mich der Stopp in der Nähe von Boumalne Dades. Hier hat der Dades Fluss eine spektakuläre Schlucht in die Berge geschliffen und es lohnt sich definitiv ein paar Nächte vor Ort zu übernachten.

Hightlights & Aktivitäten in Boumalne Dades

Die Natur, die Boumalne Dades umgibt ist wirklich spektakulär. Nicht nur ragen hier hohe Ausläufer des Atlas-Gebierges gen Himmel, sondern der Dades-Fluss hat zusätzlich eine eindrucksvolle Schlucht in die Gesteinswelten gegraben. Überall kann man die unterschiedlichen Felsformationen bestaunen. Ich bin vor allem begeistert über die farbenfrohen Kontraste aus den grünen Oasen und den roten Felsen daneben.

Ein wahres Highlight in dieser Gegend ist die bekannteste Serpentinenstraße Marokkos. Hier haben nicht nur Motorradfahrer ihren Spaß! Die schönste Straße Marokkos schlängelt sich durch die Dades Schlucht und bietet immer wieder schöne Ausblicke. Ab Kilometer 26 beginnen zu dem die Serpentinen, die ein bekanntestes Fotomotiv der Gegend sind. Und das zu Recht!

Noch besser ist der Blick vom Café an der Spitze des Berges. Es lohnt sich deshalb dort eine Kaffee oder Tee Pause einzulegen. Danach schlängelt sich der Weg wieder ins Tal zu einer Engstelle im Felsen. Hier lohnt es sich erneut anzuhalten und sich alles zu Fuß genauer anzusehen.

Die Straße führt noch eine Weile weiter, wird aber mit jedem Kilometer unspektakulärer. Daher haben wir uns etwas hinter der Engstelle gedreht und auf den Rückweg begeben. Das Dadestal lässt sich aber auch zu Fuß gut erkunden. Es gibt verschiedene Stellen von denen aus man zu größeren und kleinen Wanderungen starten kann.  Diese führen zum Teil am Flussrand entlang oder verlaufen in der Nähe der Steinfelsen.

Unsere Ruheoase zum Übernachten in Boumalne Dades

Mein Lieblingsmoment dieses Stopps ist allerdings am Abend, als wir auf der Terrasse unserer Unterkunft der Sonne beim Untergehen zusehen. Es herrscht so eine unfassbare Stille um uns herum. Alles ist friedlich als das letzte Tageslicht verschwindet und dem Sternenhimmel seinen Platz überlässt. Wer bereit ist Luxus gegen eine perfekte Lage und Gastfreundschaft einzutauschen, dem kann ich das Monkey Finger’s House der Künstlerin Fatima ans Herz legen. Wir haben es hier sehr genossen! Im Winter kann es allerdings ziemlich kalt werden.

Von Boumalne Dades nach Merzouga in der Sahara

Ich weiß nicht, das wievielte Nirgendwo wir gerade durchqueren. Vor uns liegt nur eine Straße, immer geradeaus. Rechts und links davon, ganz viel: N I C H T S. Eine weite Landschaft, steinig, gelb, soweit das Auge reicht. Wir fahren bereits seit ein paar Stunden durch dieses Nichts. Und obwohl es hier eigentlich gar nichts gibt, unterscheidet sich die Landschaft doch von dem Nichts zuvor. Waren es anfangs hügelige Gesteinswelten, fühle ich mich jetzt wie inmitten Afrikas auf einer Buschsafari durch die Savanne. 

Es ist faszinierend wie sich aus dem Nirgendwo plötzlich die großen Sanddünen erheben. Sie wirken etwas fehl am Platz und doch majestätisch, wie sie dort in der Sonne rot leuchten.

In den nächsten Tagen bemerke ich, dass die Dünen je nach Tageszeit und Sonnenlicht die Farbe verändern. Von einem hellen orange, zu satten rot-tönen.

Es ist einer dieser besonderen Momente, als wir uns in unserem Zelt inmitten der Sanddünen schlafen legen. Ali, der uns während unserer Zeit im Riad mit allem umsorgte, hatte uns zuvor noch erläutert, dass es hier in der Sahara nur ungefähr drei Tage im Jahr überhaupt regnet und der letzte Regentropfen schon eine ganze Weile her seien. Umso überraschter sind wir am nächsten Tag als wir von dem gleichmäßigen Klopfen der Tropfen auf unserem Zeltdach erwachen. Wir haben tatsächlich einen solchen Morgen erwischt und bestaunen die Regenwolken über der Wüste. Was für ein Augenblick.

Roadtrip von Marrakesch nach Merzouga
Die weiten der Wüste in Marokko

Die Top-Aktivitäten für deine Zeit in der Sahara

Kameltrekking durch die Wüste

Wie die Wüste besser erkunden, als auf dem Rücken eines Kamels? Eins steht fest, beim Kameltrekking fühlt man sich wie ein waschechter Beduine auf Wüstenexpedition. Immer weiter führt uns unser Guide über die Hügel aus Sand, hinter denen sich immer wieder neue Ausläufer der Wüstenlandschaft erheben. Die sogenannte Erg Chebbi hat insgesamt eine Ausdehnung von zweiundzwanzig Kilometern und die Dünen können eine Höhe von 150 Metern erreichen. Mir ist ehrlichgesagt unklar, wie die Menschen hier die Orientierung bewahren können, aber unsere Kamele werden problemlos immer näher zu unserem Ziel geführt: eine der größten Sanddünen.

Die Sonne ist während unserer Tour bereits tiefer gewandert und macht die Düne daher zum perfekten Ort, um sich beim erklimmen des Gipfels auszutoben und dann den eindrucksvollen Sonnenuntergang zu bestaunen.

Neben den Kameltouren gibt es auch die Möglichkeit die Wüste mit Quads näher zu erkunden.

Sonnenuntergang Sahara
Eindrucksvoller Sonnenuntergang in der Sahara

Übernachtung im Beduinenzelt

Wenn man die Sahara in Marokko besucht, sollte man unbedingt eine Nacht in einem Zelt in der Wüste verbringen. Es ist wirklich eindrucksvoll bis in die Nacht unter dem Sternenhimmel zu sitzen und dann vom Rauschen des Windes in den Schlaf gewiegt zu werden. Leider ist es seit 2019 nicht mehr möglich in Camps direkt in der Erg Chebbi Wüste zu übernachten. Diese wurden durch eine Regierungsentscheidung von ihren ursprünglichen Orten, an den Rand der Wüste in der Nähe von Merzouga verlegt. Das schmälert zwar das Gefühl der Abgeschiedenheit, dafür ist es aber um einiges besser für die Umwelt und die Erhaltung der einzigartigen Landschaft. Und ich kann versichern, dass sich auch eine Nacht im Zelt am Rand der Wüste lohnt!

Den Sternenhimmel bestaunen

Nicht nur tagsüber lässt mich die Wüste staunen, nein auch Nachts zeigt sich ein wahres Naturschauspiel. Da es kaum künstliche Lichtverschmutzung gibt, offenbart sich in der Nacht ein funkelnder Sternenhimmel und mit etwas Glück hat man freien Blick auf die Milchstraße. Vielleicht kann sogar einige Sternschnuppen beobachten. Als ich so dasitze, den Himmel bestaune und von dieser unfassbaren Stille umgeben bin, bin ich so präsent im Moment wie schon lange nicht mehr. Diese Welt aus Sand strahlt so viel Frieden aus, dass sich dieser bis in mein Inneres ausbreitet.

Riad Kasbah Aiour– unsere Traumunterkunft in Merzouga

Mit unserer Unterkunft in Merzouga hatten wir wirklich einen Glücksgriff. Ich habe mittlerweile wirklich schon einige schöne Übernachtungsmöglichkeiten in Marokko gesehen, aber das Riad Kasbah Aiour ist mit Abstand mein Liebstes. Sowohl das Riad selbst, als auch die Zeltunterkünfte sind ein Traum. Die Zelte liegen am Rande der Dünen, bieten aber einen unglaublichen Komfort mit eigenem Badezimmer und gemütlicher Einrichtung. Von der Terrasse hat man einen eindrucksvollen Blick auf die Sahara und erreicht nach wenigen Schritten ein größeres Zelt in dem das Dinner serviert wird. Den eigentlichen Zauber entwickelt das Riad jedoch bei Dunkelheit. Wenn die vielen Kerzen angezündet werden und die tausend Lichter alles in ein weiches Licht tauchen.

Wir hatten Anfang Januar (aufgrund der damaligen Covid-Situation) das unfassbare Glück, dass wir die gesamte Unterkunft für uns hatten. So hatten wir quasi einen Privatservice und jeden Tag ein romantisches Candle-Light-Dinner zu zweit. Obwohl wir die einzigen waren, wurde alles mit derselben Liebe zum Detail angerichtet und dekoriert. Wir haben zu zweit für zwei Nächte (eine im Zelt, eine im Riad) mit jeweils Frühstück und 3-Gang Abendessen plus Wüstentour bei Sonnenuntergang ca. 180 € bezahlt. Es geht natürlich auch um einiges günstiger aber das gesamte Erlebnis war jeden Cent wert.

Warst du bereits in der Wüste? Hast du noch weitere Tipps?

Falls du eine Marokko-Rundreise planst, solltest du unbedingt auch meine Highlights in Marrakesch, Chefchaouen und Rabat ansehen.

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